Dr. Friedgard Schaper: "Europäische Bienenrassen"

Pressebericht zur Fachtagung „Wirtschaftliche Imkerei“
am 25.01. 14 in Aschach

Nur angepasste Bienenrassen setzen sich durch

Amberg-Sulzbach.  Zum Thema „Die Mitteleuropäischen Bienenrassen und ihre wirtschaftliche Bedeutung“ hatte der Bezirksvorsitzende Richard Schecklmann mit  Dr. Friedgard Schaper vom Bienen-Fachzentrum in Veitshöchheim eine Expertin in den Bienenhof Aschach geladen. Bienen verschiedenster Herkunftsgebiete wurden von  Imkern immer wieder eingeführt in der Hoffnung damit leistungsfähigere Bienen zu bekommen. Diese Versuche brachten aber selten Erfolg, erklärte Schaper. Entweder sie überstanden die langen Winter bei uns nicht, waren stark krankheitsanfällig oder die Einkreuzungen waren so stechfreudig, dass sie nicht einmal vom Imker selbst zu ertragen waren. Hätten sich diese Imker eingehend über die Eigenschaften der  eingeführten Bienen und ihre Anpassungsstrategien im Herkunftsgebiet informiert, wäre ihnen so mancher Fehlgriff erspart geblieben.

Dr. Friedgard Schaper und Bezirksvorsitzender Richard Schecklmann bei der Fachrtagung "Wirtschaftliche Imkerei" in Aschach

Nachdem Schaper die Abgrenzung von Bienenarten und –rassen erklärt hatte, zeigte sie die Ausbreitungsgeschichte der Honigbienen auf. Aus dem Ursprungsgebiet im Südostasiatischen Raum breiteten sie sich in den vorderen Orient aus. Hier wurden sie durch geotektonische Ereignisse von ihrem Ursprungsgebiet dauerhaft getrennt. Deshalb gibt es in Europa und Afrika nur eine Honigbienenart. Vom vorderen Orient wanderten die Bienen Richtung Nordwesten über den Balkan nach Mitteleuropa ein, andere in Richtung Süden bis nach Nord- und Südafrika.

Während der Eiszeit konnten die Bienen nur in den wärmeren Gebieten Südfrankreichs, Italiens und auf dem Balkan überleben. Aus diesen isolierten Rückzugsgebieten entwickelten sich die drei wirtschaftlich bedeutenden mitteleuropäischen Bienenrassen Apis mellifera mellifera, A.m. ligustica und A.m. carnica.

Die heimische Dunkle Biene (mellifera), die ursprünglich von Südfrankreich bis zum Ural das größte Verbreitungsgebiet nördlich der Alpen besetzte, war an das Klima mit langen, kalten Wintern, ein Frühjahr mit langsamem Übergang zum Sommer gut angepasst. Sie ist ein typischer Spättrachtnutzer, der in kleinen Völkern überwintert und sich im Frühjahr langsam entwickelt. Da sie stechfreudiger sei, die Spättrachten wie Heide ab und Frühtrachten von Löwenzahn, Obst, Raps zunehmen, entschieden sich immer mehr Imker für die Graue Biene (carnica). Denn diese sei sehr ruhig, könne lange Winter ebenfalls gut überstehen und sich im Frühjahr sehr schnell entwickeln und damit das häufiger werdende Frühtrachtangebot gut nutzen. Die Gelbe Italienerbiene (ligustica) konnte sich bei uns nicht durchsetzen, weil es ihr an ausreichender Winterhärte fehle. In anderen Gebieten wie im Süden der USA oder Australien dagegen hat sie sich dem Klima entsprechend etabliert.


Neu eingeführt wurde bei uns in den letzten Jahrzenten auch die Buckfastbiene, benannt nach einem Kloster in England. Dort habe Bruder Adam diese Biene durch Kreuzungen aus verschiedenen europäischen und vorderasiatischen Rassen entwickelt. Auch diese Zuchtrasse komme mit unseren Klimaverhältnissen gut zurecht. Sie brauche aber ständig eine züchterische Bearbeitung, da sie keine natürliche Rasse sei. Solange die Imker Zuchtarbeit auf dem hohen derzeitigen Niveau betrieben, ließen sich beide Rassen durchaus nebeneinander halten. Schaper warnte aber davor, wieder die Dunkle Biene einzubürgern wie von einzelnen Imkern praktiziert. Das werde ein stechfreudiges Gemisch geben.

Am Nachmittag gab es dann noch eine Einführung in die Bestimmungen der Honigverordnung. Schecklmann gab noch den Termin für die Fachtagung über Bienenkrankheiten und Bienenhygiene bekannt, die am 22. Febr. in Aschach stattfindet.

Text: Richard Schecklmann

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